Afrikamera 2016

Für eine Woche stellt das Berliner Festival wieder eine ambitionierte Auswahl aktueller Filme aus Afrika vor – und legt in diesem Jahr seinen Schwerpunkt auf ein Thema, das im afrikanischen Kino offiziell nicht existiert.

Call Me Kuchu

Zum neunten Mal widmet sich das Berliner Festival Afrikamera dem aktuellen afrikanischen Kino. Bereits in früheren Ausgaben bewies das Programmteam, dass es dabei weniger um einen repräsentativen Querschnitt durch das Kino eines ganzen Kontinents geht als um eine kleine Auswahl unabhängig produzierter, oft auch experimentierfreudiger Filme, die nicht nur hierzulande Schwierigkeiten haben, ein Publikum zu finden, sondern überall. In diesem Jahr hat das Festival seinen Schwerpunkt auf ein Thema gelegt, das im afrikanischen Kino offiziell nicht existiert: queere Lebensentwürfe. Aufgrund des beschränkten Angebots liest sich das Programm dabei mitunter wie ein Best-of afrikanischer LGBT-Filme aus den letzten Jahren.

Dakan

So steht unter anderem die Dokumentation Call Me Kuchu auf dem Programm, die vom ausweglosen Kampf einer Gruppe queerer Aktivisten in Uganda erzählt und vor einigen Jahren sogar einen kleinen deutschen Kinostart bekam. Empfehlenswert ist auch Mohamed Camaras Dakan (1997), der sich als erster westafrikanischer Spielfilm mit dem Thema Homosexualität auseinandergesetzt hat. Die Handlung dreht sich um zwei Schüler, die ihre Liebe gegen den Widerstand ihrer Umgebung verteidigen. Der große Reiz des Films besteht darin, dass er nicht versucht, etablierte Coming-out-Narrative nach Guinea zu verpflanzen, sondern mit einem betont stilisierten Zugang beweist, dass man keinen filmischen Realismus benötigt, um wahrhaftig von der Wirklichkeit zu erzählen.

L arme  e du salut

Zur Eröffnung des Festivals läuft heute Abend das ebenfalls sehr schöne Regiedebüt des marokkanischen Autors Abdellah Taïa. In poetischen Fragmenten erzählt der Film von der heuchlerischen Haltung zur Homosexualität in Marokko sowie von der ernüchternden Flucht Taïas nach Frankreich. Sehenswert ist L’armée du salut, weil er ganz ohne die Buchstäblichkeit von Literaturverfilmungen und die Themenfixiertheit vieler explizit politischer Filme auskommt. Der Regisseur wird zur Eröffnung anwesend sein.

Das gesamte Programm gibt es hier: http://www.arsenal-berlin.de/kalender/filmreihe/calendar/2016/november/01/article/6255/3004.html

Kommentare zu „Afrikamera 2016“

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.