16. Filmfest Hamburg 2008

Eines der großen Ereignisse des am 25. September beginnenden Filmfests in Hamburg ist die Verleihung des Douglas-Sirk-Preises an den kanadischen Regisseur Atom Egoyan, der für Filme wie Exotica (1994) und Wahre Lügen (Where the truth lies, 2005) bekannt ist.

Filmfest Hamburg

Atom Egoyans Werk widmet sich zeitgenössischen Themen, die er in einer unkonventionellen Erzählweise mit einer distanzierten Beobachtung menschlicher Beziehungen umsetzt. Sein neuer Film Adoration läuft im diesjährigen Hauptprogramm „Agenda 08“. Ein Waisenjunge muss darin die Meldung über einen Selbstmordattentäter übersetzen und assoziiert diesen mit seinem toten Vater.

Nordwand

Insgesamt 51 Filme aus 36 Ländern laufen in der Sektion „Agenda 08“. Deutschland ist mit fünf (Ko-)Produktionen vertreten. Darunter Berlin Calling von Hannes Stöhr, der 2001 bei der Berlinale mit einem anderen in der Hauptstadt angesiedelten Film, Berlin is in Germany, den Panorama-Publikumspreis gewonnen hat. Mit Bis Später, Max! verfilmte Jan Schütte drei Kurzgeschichten des Nobelpreisträgers Isaach Bashevis Singer zu einer melancholischen Geschichte über einen alternden Schriftsteller, der noch immer an die Liebe glaubt. Der Eröffnungsfilm des Festivals, Nordwand, ist eine deutsch-österreichisch-schweizerische Ko-Produktion. Inszeniert ist der Film im Genre des Bergfilms vor dem Hintergrund des zweiten Weltkriegs durch Philip Stölzl, der ambitionierte Musikvideos für Künstler wie Rammstein und Garbage verwirklicht hat (unter anderem den Titelsong für den James-Bond-Film The World is Not Enough, 1999).

4 Nights With Anna

Der 70-jährige polnische Regisseur Jerzy Skolimowski (Der Start, Le Départ, 1967; Der Todesschrei, The Shout, 1978; Das Feuerschiff, The Lightship, 1985), der in den 70er und 80er Jahren in Berlin, Cannes und Venedig so einige Preise erhalten hat, kehrt nach 16 Jahren mit seinem Film 4 Nights with Ana (Cztery noce z Anna) zum Kino zurück. Morgan Spurlock, der für seine dokumentarische Satire der amerikanischen Gesellschaft Super Size Me (2004) bekannt ist, zeigt seine neue Dokumentation Where in the World is Osama Bin Laden?. Diese entstand eigenen Aussagen zufolge als er erfuhr, dass seine Frau schwanger ist. Die Nachricht habe ihn dazu bewegt, durch arabische Länder auf die Suche nach Bin Laden zu gehen, damit sein Kind in eine bessere Welt geboren werde. Der neue Film von Terence Davier, dessen Schaffen ab 18.09.2008 das Thema einer der drei Retrospektiven in San Sebastián sein wird, tritt ebenfalls im Wettbewerb an. Of time and City ist eine nostalgische Dokumentation der Stadt Liverpool in den 40er und 50er Jahren im Vergleich zu heute.

Willkommen bei den Sch'tis

Das abwechslungsreiche Programm des Wettbewerbs wird durch viele weitere Sektionen ergänzt. In der Sektion „Eurovisuell“ kann das Publikum aus sieben europäischen Blockbustern einen Gewinner aussuchen. Darunter ist auch der inzwischen im Heimatland erfolgreichste französische Film aller Zeiten Willkommen bei den Sch'tis (Bienvenue chez les ch'tis), der über 20 Millionen Besucher in die Kinos lockte und in Deutschland im Herbst startet. Die Sektion „Portugal Deluxe“ stellt sechs Filme aus der portugiesischen Filmgeschichte vor, darunter Paulo Roches Die grünen Jahre (Os verdes Anos, 1963) und Teresa Villaverdes Am Ende der Kindheit (A idade maior, 1990). Die Reihe „Vitrina“ ist aktuellen Filmen des spanischen Sprachraums gewidmet, „Voilà“ präsentiert Neues aus dem frankophonen Kinoschaffen und „Michel“ zeigt Kinder- und Jugendfilme.

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