10. Pornfilmfestival

Vom 21. bis zum 25. Oktober wird im Berliner Kino Moviemento wieder die sexuelle Vielfalt gefeiert. Höhepunkt des Festivals ist eine Hommage an die legendäre Produktionsfirma Hand in Hand Films, die in den 1970er Jahren noch die Utopie vom Porno als Kunstform träumen durfte.

Trans Guys Love Cock

Der Name ist ein wenig irreführend: Die Vollerotik-Industrie ist beim alljährlich stattfindenden Pornfilmfestival nur sehr selten vertreten. Dafür gibt es ein mit jeder Ausgabe wachsendes Programm, das vom gediegenen Arthouse-Film bis zur wilden Low-Budget-Produktion reicht und sich zu einem Großteil eher als erotisch denn als pornografisch bezeichnen lässt. Wenn es auf der Leinwand doch mal explizit zur Sache geht, dann nicht unbedingt innerhalb der Konventionen des Genres, sondern eher verspielt und arty. Vielfalt findet hier weniger durch ein repräsentatives Abbild des Pornokinos statt als durch sexuelle Diversität. Dabei wird beispielsweise der nach wie vor sehr kleinen lesbischen Porno-Szene eine Plattform geboten oder mit einem Film wie Trans Guys Love Cock die Heteronormativität erschüttert. Gespannt sein darf man aber ebenso auf einige Beiträge, denen man auch im regulären Festivalbetrieb begegnen könnte – etwa dem schon seit Langem geplanten Regiedebüt des Schriftstellers Dennis Cooper (Like Cattles Towards Glow) sowie dem neuen Film von Thunska Pansittivorakul (Space Time).

Drive 01

Das Filetstück des Festivals ist aber wie immer das historische Programm, das diesmal zwei der wichtigsten Autoren des schwulen Erotikkinos der 1970er Jahre ehrt. Neben einem kleinen Special für den vor einem Jahr verstorbenen Porno-Pionier Peter de Rome gibt es auch eine Hommage an die legendäre amerikanische Produktionsfirma Hand in Hand Films, die vor allem für das schillernde, gleich mehrere Meisterwerke des Genres umfassende Oeuvre von Jack Deveau steht. Was Regisseure wie De Rome und Deveau in der Frühphase des kommerziellen Pornofilms geleistet haben, ist meilenweit entfernt von der häufig sterilen und durchprofessionalisierten Industrie, die heute den Ton angibt. Auch wenn die Produktionen funktional waren, also direkt fürs Pornokino entstanden sind, gab es darin doch Platz für düstere Visionen, formale Radikalität und eine visuelle Kraft, die den finanziellen Beschränkungen strotzte. Die Attraktionen des Festivals sind zweifellos die Vorführungen von Deveaus wahnwitzigem Agentenfilm Drive sowie von De Romes fiebriger Edgar-Allan-Poe-Adaption The Destroying Angel auf 16mm. Es ist eine einmalige Gelegenheit, diese Filme nicht nur als unbefriedigende Digitalisierung zu sehen, sondern in ihrer spröden analogen Schönheit.

Das gesamte Programm gibt es hier

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